Kulturelles Gedächtnis steht kurz vor dem Umzug
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Schwerin. Nur knapp vier Kilometer Fahrstrecke liegen zwischen dem Kreuzgang am Schweriner Dom und der Stellingstraße Nummer 29. Für einen Umzugswilligen mag das keine große Entfernung darstellen. Aber für jemanden, der mit mehreren hunderttausend Büchern, Zeitungen und Zeitschriften, zahlreichen Videos und CDs die Adresse wechselt, ist das eine große logistische Herausforderung. Und vor genau der stehen gerade Rolf-Jürgen Wegener, Direktor der Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern, und seine 30 Kollegen. Denn 225 Jahre nach ihrer Gründung und 118 Jahre nach dem Einzug in die mittlerweile viel zu engen Räumlichkeiten am Dom wechselt das "kulturelle Gedächtnis des Landes" in ein neues, hochmodern ausgestattetes Quartier. Der Neubau auf früherem Militärgelände an der Stellingstraße, für den am 29. August 2002 der Grundstein gelegt worden war, bietet den Nutzern der Landesbibliothek künftig wesentlich mehr Komfort. Als Vorteil dürfte sich beispielsweise die neue Freihand-Bibliothek mit 28.000 Bänden erweisen. Zu den Vorzügen gehören außerdem ein großzügiger Lesesaalbereich mit 40 Leseplätzen und 18 PC-Arbeitsplätzen mit Internet-Anschluss. Fröhlicher Abschied Etwa vier bis sechs Wochen sind für den Umzug, der Ende August beginnen soll, vorgesehen. Auf einen konkreten Termin für die Eröffnung "seiner" neuen Landesbibliothek will sich Direktor Wegener aber noch nicht festlegen. Dafür stehen zwei andere Daten fest: der 225. Geburtstag der Bibliothek am 28. August und der "Tag der offenen Tür" am 29. August - in den vergangenen Jahren immer ein Publikumsmagnet. Es soll ein fröhlicher Abschied aus den historischen Räumen werden, bei dem sich Bücherfreunde noch einmal nach Herzenslust in den Magazinen der Landesbibliothek umsehen und sich vielleicht schon den einen oder anderen Titel für die spätere Ausleihe in der Stellingstraße vormerken können. Der Förderverein der Landesbibliothek, "Mecklenburgica", organisiert einen Büchermarkt, und nicht zuletzt ist eine Schau schöner Bücher geplant - in diesem Jahr sollen Kostbarkeiten zum Thema Botanik und Zoologie gezeigt werden. Dazu gehören zum Beispiel der "Apparatus plantarius" von Peter Lauremberg (1632), das "Botanische Bilderbuch für die Jugend" (1794) sowie die "Teutsche Ornithologie oder Naturgeschichte aller Vögel Deutschlands" (1800). Auch diese Bücher werden schon in wenigen Wochen ihre Reise an den neuen Standort antreten. Noch im Herbst wollen die Schweriner Bibliothekare dort die ersten Leser begrüßen. Die Kosten für den Neubau sowie das bereits 2002 fertig gestellte Sondermagazin-Gebäude in einem ehemaligen Offiziershaus betragen insgesamt rund sieben Millionen Euro, die je zur Hälfte von Bund und Land getragen werden. Jährlich werden in der Landesbibliothek rund 35.000 Medien, vor allem Bücher, ausgeliehen. Trotz der bisher recht beengten Verhältnisse am Kreuzgang wurden auch 2003 rund 10.000 Lesesaal-Nutzer gezählt. |